Über meine Familie


Meiner Eltern und Grosseltern, 1959

Die Familie Wein (Straupner)

Meine Grosseltern und mein Vater Die Vorfahren meines Vaters leben schon seit über 230 Jahren im selben Dorf, Eglsee, seit Johann Michael Wein im Jahre 1779 die Eglseer Weberstochter Jakobina Böhm heiratete. Praktische alle Familienangehörigen (mit mir als bemerkenswerter Ausnahme!) leben immer noch in 15 km Umkreis dieses Dorfes.

Eglsee liegt etwa 20 km nordwestlich von Regensburg (der 79 n.Chr. gegründeten Römerfeste castra regina), das vor etwa 1800 Jahren der nördlichste Aussenposten des römischen Reiches im heutigen Süddeutschland war. Die Röer waren es auch, die den Weinanbau nördlich der Alpen einführten, in der Gegend um Regenburg allerdings mit sehr mässigen Ergebnissen. Obwohl unser Familienname auf eine Verbindung zu diesem Weinanbau hindeutet haben wir in jüngerer Vergangenheit keine Weingärten betrieben. Weinanbau war in der Pfalz weiter verbreitet, mit der die Oberpfalz früher politisch verbunden war.

Der Webermeister Johann Michael Wein wurde vor über 228 Jahren aus folgendem Anlass urkundlich erwähnt:

       Am 19. Februar 1781 beschwerte sich der Pfarrvikar Bertrand Troppmann über den Pfarrer in Laaber, weil er ein Kind aus seiner Pfarrei getauft hatte. Dem Webermeister zu Eglsee Joh. Mich. Wein wurde ein Kind geboren. Der Schulmeister sagte in Pielenhofen die Taufe an. Der Geistliche kam gegen 1/2 4 Uhr in Frauenberg [dem Eglsee benachbarten Kirchort] angeritten. Nach einer Stunde war noch niemand zur Taufe erschienen. Weil der steile und gefährliche Weg nach Pielenhofen vereist war, wollte der Geistliche nicht in die Nacht hineinkommen. Er schickte mehrmals aber erfolglos nach den Taufleuten und ritt dann schliesslich wieder nach Pielenhofen zurück und bestellte sie für den nächsten Tag nach Pielenhofen. Sie gingen aber mit der Hebamme nach Laaber.

       Es ist schon eine alte, bei allen meinen Vorfahren billiche Klage gewesen, dass vor der Taufe ein Gevattertrunk gehalten wird und wir [haben] schon öfter erfahren, dass sowohl Vater als auch Gevatter mit dicken Räuschen zu der Taufe erscheinen."

In meiner Heimat haben alle Familien zwei Zunamen, den bürgerlichen Familiennamen den man von seinen Eltern erbt sowie den "Hausnamen" der mit dem Haus oder Hof verbunden ist und auch beim Verkauf des Hofes auf den neuen Eigentümer übergeht. Wurde früher der Hausname häufiger verwendet als der Familienname, so wird er heutzutage immer weniger verwendet. Bis 1890 war unser Hausname Weber, aber dann tauschte unsere Famile mit einer anderen Familie die sich verbessern wollte die Wohnhäuser und Hofgebäude und wir übernahmen ihren Hausnamen Straupner (was meines Wissens Seilmacher bedeutet) und sie wurden seitdem Weber genannt. Leinen wurde entweder aus Flachs oder Hanf gewebt und Hanf war auch der Rohstoff für die Seilherstellung.

Das Stück Leinen das als Hintergrund für diese Seite dient stammt aus dem Nachlass meiner Grosstante die es wiederum von meiner Urgrossmutter Regina Wein erhielt (nach derem Ehemann sowohl mein Vater als auch ich benannt sind). Eine Tante von mir hat mehrere Stücke davon geerbt und ich habe eine Fotografie davon als JPG-Datei gescannt.

In einer Volkszählung von 1836 hiess es wie folgt über die Feldfrüchte die in unserer Gemeinde angebaut wurden:

   In sämtlichen Fluren der Steuergemeinde Brunn war die Dreifelderwirtschaft eingeführt. Auf dem selben Objekt wurden gebaut im 1. Jahr Weizen und Korn, im 2. Jahre Gerste, Haber [=Hafer], Erdäpfel [=Kartoffeln], Kraut, Flachs, Hanf, Erdruben, Halmruben, Erbsen, Linsen, Wicken und Klee, im 3. Jahr wurde es brach gehalten, jedoch nur selten mit Grünfutter bestellt.

Hanf wurde in Bayern südlich der Donau in grossem Massstab bis zum Ende des 19. Jahrhunderts angebaut, aber er war in armen Gegenden besonders wertvoll weil diese bei der Verarbeitung arbeitsaufwendige Frucht in der Zeit bevor es für alles Maschinen gab, auf kleinen Höfen für Arbeit sorgte (Hanf wurde im zweiten Weltkrieg auch in dem armen japanischen Bergdorf, aus dem mein Schwiegervater kommt, angebaut und für Uniformen und Planen verwendet.)

Ein äterer Bruder meines Grossvaters fiel mit nur 19 Jahren im ersten Weltkrieg (Rumänien, November 1916), als mein Grossvater erst 5 Jahre alt war. Meine Grosseltern heirateten 1937, erst zwei Jahre nach der Geburt ihres ersten Kindes, weil meine Urgrossmuter zuerst ihre Töchter heiraten lassen wollte, bevor ihr Sohn heiraten und den Hof übernehmen konnte.

Mein Vater und sein älterer Bruder wurden noch vor dem 2. Weltkrieg geboren. Mein Grossvater war am Westfeldzug gegen Frankreich 1939/1940 beteiligt und dann wieder entlassen. 1941 wurde eine Schwester meines Vater geboren. Während des Russlandfeldzugs kämpfte mein Grossvater für die Naziwehrmacht in Norwegen und verbrachte anschliessend drei Jahre in französischer Kriegsgefangenschaft. Zwei jüngeren Brüder und zwei jüngere Schwestern meines Vaters wurden nach dem Krieg geboren.

Mein Grossvater war nach dem reichsten Bauern im Dorf der zweite der einen Traktor kaufte und einer der ersten mit Auto. Er starb mit fast 82 Jharen. Meine Grossmutter überlebte ihn um 15 Jahre und starb mit 94 Jahren.


Die Familie Seitz (Ziegaus)

Meine Grosseltern und meine Mutter Ich weiss sehr viel weniger über meine mütterliche Familie. Der Name könnte tschechisch sein denn er bedeutet Hase in dieser Sprache. Dem Aussehen nach schlage ich mehr nach dem mütterlichen Grossvater, Wolfgang Seitz. Während des ersten Weltkrieges gehörte er zur deutschen Besatzungarmee in Belgien und ich litt als Kind unter vielen Alpträumen von den Kriegsgeschichten, die er mir erzählt hat. Als Kind gehörte, nur 100 km vom eisernen Vorhang entfernt, ein dritter Weltkrieg zu meinen grössten Ängsten.

Mein Grossvater war bei Kriegsanfang 41 Jahre alt und hatte mehrere Kinder. Er wurde deshalb nicht zur Nazi-Wehrmacht eingezogen.

In den Dreissigern war mein Grossvater als letzter nicht-Nazi (Bayrische Volkspartei, einem Vorläufer der CSU) Bürgermeister von Pfraundorf und wurde 1933 von den Nazis seines Amtes enthoben. Er war erzkatholisch (einer seiner Brüder war ein Mönch) und war Gegner des Nazismus, vor allem wegen dessen heidnischen Elementen. Ihm wurde oft damit gedroht, nach dem Endsieg käme er an die Reihe, bei der »grossen Abrechnung.« Aber abgeholt wurde er dennoch nie.

Auch seine Jagdgewehre musste er nie abgeben, obwohl er als Nazigegner bekannt war (die National Rifle Association der U.S.A. erzählt gerne, die Nazis hätten den Waffenbesitz unterdrückt, dabei tat das erst die US Army). Jedenfalls, als die Amerikaner Ende April '45 das Dorf befreiten fragten sie herum, wer denn im Dorf auf keinen Fall ein Nazi sei. Sie wollten nämlich statt des NSDAP-Amtsinhabers einen neuen Bürgermeister einsetzen. So kam es, dass Wolfgang Seitz nach dem Krieg erster Bürgermeister von Pfraundorf wurde, das Amt das ihm die Nazis gestohlen hatten. Mein Grossvater wurde Gründungsmitglied der CSU. Seine Jagdgewehre liess er jedoch zerstören als die U.S. Army aus Angst vor einer angeblichen Nazipartisanenarmee "Wehrwolf" alle privaten Schusswaffen einziehen liess.

Das Haus meines Grossvaters
Die Familie Seitz (Hausname: Ziegaus) lebten unter einfacheren Umständen als die Familie Wein. Ich erinnere mich von den Besuchen bei meinem Grossvater noch an eine Aussentoilette ohne Spülung uind mit Streifen von Zeitungspapier. Auch einen Backofen in dem noch meine Mutter Brot gebacken hatte, gab es damals noch und das Haus meines Grossvaters (siehe oben) das erst vor einigen Jahren abgerissen wurde, war über 100 Jahre alt.



Eglsee in den letzten Kriegstagen

Nur Tage bevor die U.S. Armee kurz vor Kriegsende in unser Dorf einmarschierte kam es zu einem Ereignis von dem ich erst gegen Ende meiner Schulzeit das erste mal hörte. Eine grosse Gruppe von Insassen eines Konzentrationslagers wurde von der SS, von Pielenhofen im Osten kommend, durch unser Dorf getrieben. Der soll sich um Überlebende des KZ Flossenbürg gehandelt haben. Einige der Wachen waren Ukrainer.

Die Häftlinge sahen aus wie wandelnde Skelette, nur noch Haut und Knochen. Eine Nachbarin meiner Grossmutter deren Hof an der Strasse lag nahm einen Laib selbstgebackenes Brot und wollte ihn den verhungernden Häftlingen geben, aber die Wärter schrieen sie an, zurückzutreten und einer schoss mit seinem Maschinengewehr in ihre Richtung. Die Einschüsse im Scheunentor ihres Hofes waren jahrelang zu sehen.

Der Zug kampierte bei einem Gasthof in Frauenberg, in der Nähe der Kirche. Die Häftlinge wurden in einem Stacheldrahtverschlag beim Pferdestall des Gasthofs eingesperrt. Mehrere starben über Nacht. Am nächsten Tag zog die SS mit den Überlebenden weiter. Die Bauern befürchteten Vergeltungsmassnahmen der näherrückenden Amerikaner wenn die Leichen in der Nähe des Dorfes gefunden würden und so folgten sie der Strasse nach Pielenhofen zurück, woher der Zug gekommen war. Auf der steilen Strasse von Pielenhofen herauf fanden sie mehrere Häftlinge die erschossen worden waren wo sie zusammengebrochen waren, alle paar hundert Meter. Die Bauern unseres Dorfes begruben die toten Häftlinge in unmarkierten Gräbern und lange redete niemand darüber. Ich hörte zuerst von meinem Vater davon und später auch von einem älteren Mann der damals gerade 16 war.

Siehe auch das Nizkor Projekt



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